Geschichte

Entstehung und Entwicklung Text?des Europa-Rosariums

Im 19. Jahrhundert und ganz besonders in der 2. Hälfte nahm die Züchtung neuer Rosensorten einen enormen Aufschwung. Es gab immer mehr Rosenliebhaber und in der Folge den Wunsch zu einer Vereinigung, in der man sowohl Erfahrungen und Wissen austauschen konnte, als auch einen Beitrag zur Publikation aller die Rose betreffenden Fragen leisten konnte.

So gründete sich, unter maßgeblichem Betreiben des Wittstocker Zeichenlehrers Friedrich Schneider, am 28. September 1883 der Verein Deutscher Rosenfreunde (seit 2007 Gesellschaft Deutscher Rosenfreunde e.V.). Ziele des Vereins waren unter anderem die Herausgabe von Schriften und die Förderung öffentlicher Rosenanlagen. Die Unsitte bereits existierende Rosensorten unter anderem Namen in den Handel zu bringen, verärgerte die Rosenfreunde. Ein weiteres Ärgernis war die Tatsache, dass immer neue Rosensorten alte, bewährte zu verdrängen begannen und diese in Vergessenheit zu geraten drohten. Text?In der Rosenzeitung von 1889 bereits beklagt Peter Lambert diese Zustände in der Rosenwelt. Auf dem Rosenkongress in Frankfurt am Main 1897 macht er schließlich den Vorschlag ein vereinseigenes Rosar zu schaffen und äußert bereits die Bitte an Rosenfreunde, dem Vorstand Rosen zu übersenden, Text?während der Sangerhäuser Kaufmann Albert Hoffmann dem Verein eigenes Land für ein Rosarium anbietet. Text?In der Folge können der Kaufmann und der Gymnasialprofessor Ewald Gnau, der Vorsitzender des Verschönerungsvereins Sangerhausen war, die Stadtväter davon überzeugen, das verwilderte Stadtparkgelände für das Rosarium zur Verfügung zu stellen. Damit waren Mitbewerber wie Gotha oder Frankfurt am Main aus dem Rennen. Das kostenlose Gelände und die verkehrstechnisch günstige Lage Text? Sangerhausens in der Mitte Deutschlands führten dazu, dass der Rosenkongress 1898 begeistert die Gründung des Rosariums in Sangerhausen beschloss. Im Anschluss begann man sofort mit dem Bau des historischen Pavillons. Sangerhausen war zu dieser Zeit eine aufstrebende Text?Industriestadt, in der Handel und Gewerbe florierten. Überall entstanden neue Häuser, in deren Vorgärten eine Fülle von Rosen blühte. Als besonders geschmackvoll wird die Roseninsel an der Göpenbrücke erwähnt. Albert Hoffmann besaß in seinem privaten Rosengarten damals bereits 4000 Rosenstöcke in fast 1000 verschiedenen Sorten und Arten. Und er öffnete seinen Garten auch den Rosenfreunden zur Besichtigung. In den Sangerhäuser Nachrichten gab es Berichte über Hoffmanns Rosen. Die Idee von der Schaffung eines Rosariums fiel also auch bei den Sangerhäuser Bürgern auf fruchtbaren Boden. Der Verschönerungsverein hatte 1898 schon 300 Mitglieder und wuchs weiter. Die Sangerhäuser Nachrichten berichtete am 18.8.1898 über die einzigartige Sehenswürdigkeit und die wissenschaftliche Bedeutung des künftigen Rosariums. Albert Hoffmann rief Züchter und Rosenfreunde zur Einsendung von Rosensorten auf. Text?Noch im gleichen Jahr wurde nach einem Plan des Erfurter Garten-Ingenieurs P.Erich Doerr die Gestaltung des Rosariums in Angriff genommen. Bereits im Februar 1899 berichtet er auf der Jahresversammlung des Verschönerungsvereins dass im Herbst mit der Pflanzung begonnen werden kann. Er selbst arbeitete unermüdlich und unentgeltlich. Schon während der Arbeiten stellte man aber fest, dass die geplante Fläche zu klein war. Der Rosenzüchter Peter Lambert aus Trier entwarf Text? daraufhin eine landschaftliche Erweiterung des Parkes. Ab Heft 4/1891 informierte Ewald Gnau in der Rosenzeitung, dem Organ des Vereins Deutscher Rosenfreunde, regelmäßig über den Fortgang der Arbeiten. 1901 waren 2800 Rosen gepflanzt, von denen ein großer Teil von Albert Hoffmann gestiftet wurde. Text?Um die immer größer werdenden Arbeitsanforderungen bewältigen zu können, wurde vom VDR 1902 veranlasst, den Frankfurter Rosengärtner Richard Vogel im Rosarium anzustellen. Dabei litten die Arbeiten unter ständigem Geldmangel. Prof. Ewald Gnau ist es zu verdanken, dass viele in- und ausländische Rosenfreunde sich für das Rosarium begeisterten und es mit Geld- und Sachspenden unterstützten. Besonders aber ist die Unterstützung der städtischen Behörden und die Spendenbereitschaft der Sangerhäuser Bürger zu erwähnen. Zur Eröffnung des Rosariums sollten eine Text?Rosenausstellung und der Rosenkongress eine würdige Umrahmung bilden und die Bedeutung des Rosengartens unterstreichen. Unter Führung von Albert Hoffmann und Ewald Gnau arbeiteten sowohl der Verein Deutscher Rosenfreunde als auch der Verschönerungsverein Sangerhausen gemeinsam mit der Stadtverwaltung mit aller Kraft an der Vorbereitung. Vom 26.- 28. Juni 1903 finden Ausstellung und Kongress mit großem Erfolg statt. Allein 80 Mitglieder des VDR nehmen daran teil. Text? Am 27. Juni 1903 eröffnen Bürgermeister Knobloch und die Ehrengäste des Kongresses, unter ihnen Peter Lambert, Wilhelm Kordes, Heinrich Schultheis, Albert Hoffmann und Ewald Gnau, gemeinsam das Rosarium. Der Vorsitzende des Vereins Deutscher Rosenfreunde, Garteninspektor Ries, würdigt, „…was unter schwierigen Verhältnissen zu Stande gekommen ist…“, „…auch wenn noch nicht alles so ist, wie es sein soll…“. Peter Lambert betont, dass es sehr schwierig ist, die alten Rosensorten zu bekommen. Er lobt dabei den Gründer der Roseraie de L’Hay bei Paris, Herrn Gravereaux, der alle Sorten seines Gartens zur Verfügung gestellt hat. Über die Form des weiteren Betriebes des Rosariums wurden unterschiedliche Auffassungen geäußert. In der Rosenzeitung regt Ewald Gnau 1904 an, auf einem gesonderten Areal Wildlinge zu veredeln, um den Bestand zu erhalten. Der Besucherverkehr habe sich nicht wie erwartet entwickelt. Der Rosengarten hatte ein Defizit von 2725 M zu verzeichnen. Der VDR übergab nochmals 250 M und legte die Besucherordnung fest: “Der Besuch ist jedermann unentgeltlich gestattet. Kinder unter 10 Jahren haben nur in Begleitung Erwachsener Zutritt. Das Abpflücken von Blüten, Zweigen und dergleichen sowie das Betreten der Rosenanlagen außerhalb der Wege ist streng verboten.“ Und in der Rosenzeitung 1906/4 lesen wir, dass Neuheiten, die zur Prüfung dem Rosar übergeben werden, Eigentum der Züchter sind, eine Entwendung von Teilen solcher Pflanzen wird als Diebstahl unnachsichtig verfolgt. In den folgenden Jahren wuchs besonders die Sammlung von Kletterrosen. Die Kultivierung erfolgte an Säulen und Pyramiden. Dadurch bekam der Garten ein ganz besonderes Flair. Außerdem begann die Aufstellung von Kunstwerken, wodurch immer mehr der Charakter eines Parkes entstand. 1909 Seine schöne Wildrosensammlung von 450 Sorten schenkte Rosenzüchter Dr. Georg Dieck aus Zöschen dem Rosenzüchter Conrad Peter Strassheim, der in Frankfurt-Sachsenhausen einen berühmten Rosengarten besaß, und der sie 1900 auf der Weltaussstellung in Paris zeigte, von wo sie dann in das Rosarium L`Hay Les Roses gelangte. Von dort wurden Reiser 1909 in das Rosarium Sangerhausen geschickt. Diese Reiser sind die Grundlage der heutigen Wildrosensammlung des Europa-Rosariums. wird fortgesetzt